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Offizieller Name: Republik China (Taiwan)
Hauptstadt: Taipeh (T'aipei)
Fläche: 36.006 km²
Landesnatur: Von N nach S verlaufendes Zentralgebirge, im 0 steil zum Meer abfallend, im W breite Küstenebene
Klima: Tropisch bis subtropisch
Hauptflüsse: Hsiatanshui, Hsilo
Höchster Punkt: Yu Shan 3997 m
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 7 Stadtkreise (Taipeh und Kaohsiung mit Sonderstatus), 16 Landkreise, 7 kreisfreie Städte
Parlament: Nationalversammlung mit 334 für 4 Jahre gewählten Mitgliedern und Legislativ-Yüan mit 225 für 3 Jahre gewählten Mitgliedern
Nationalfeiertag: 10. Oktober
Einwohner: 21.683.000 (1999); 23.234.936 (geschätzt Juli 2012)
Bevölkerungsdichte: 602 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 92% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 22% (1999)
Analphabetenquote: 6% (1999)
Sprache: Chinesisch (Mandarin) und Taiwanisch (Minnan-Dialekt des Chinesischen), Hakka-Dialekt
Religion: Chines. Volksreligionen 49%, Buddhisten 43%, Christen 6%

"Tiger-Staaten" nennt man jene Länder Indochinas, deren wirtschaftliche Kraft nicht nur stark genug ist, sich selbst zu tragen, sondern auch im Geflecht weltwirtschaftlicher Zusammenhänge mitbestimmend zu wirken - und Taiwan ist ein mächtiger Tiger. Seine Industrie erlebte in den letzten vierzig Jahren einen Boom, der weltweit beispielhaft ist. Schon 1964 konnten die USA ihre Entwicklungshilfe an Taiwan einstellen, da das Land als saniert galt.
Diese rasante Entwicklung hat verschiedene Gründe. In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts bauten die Japaner, denen Taiwan völkerrechtlich zugesprochen war, auf der Insel eine funktionierende Infrastruktur auf, um die reiche wirtschaftliche Ausbeute nach Japan schaffen zu können.
Damit legten sie einen der Grundsteine für das heutige taiwanesische Wirtschaftswunder, dessen eigentliche Architekten die vor Mao Zedongs Truppen flüchtenden Nationalchinesen - Armeeangehörige und Kaufleute, Regierungsbeamte und Geschäftsleute, Parlamentsmitglieder und Technokraten - waren. Die nichtkommunistische Welt half mit Krediten und technischem Know-how, und für viele Auslandschinesen, die außerhalb ihrer Heimat zu Geld oder Wissen gekommen waren, bot sich Taiwan zur Einwanderung an.

Taipeh 101

Ihre internationalen Verbindungen, ihre Fachkenntnisse und ihr Kapital unterstützten die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung Taiwans, flankiert von wirtschaftspolitischen Entscheidungen und Maßnahmen der Regierung. Dazu gehörte auch die Bodenreform, mit der die kleinbäuerlichen Pachtverhältnisse abgeschafft wurden und das Land von denjenigen erworben werden konnte, die es bewirtschafteten.
Zum einen handelte es sich dabei um Land, das während der japanischen Kolonialzeit ausschließlich japanischen Siedlern vorbehalten gewesen war, zum anderen um Land der Großgrundbesitzer, die Entschädigungen erhielten, welche es ihnen ermöglichten, in die aufstrebende Industrie zu investieren.

Aus diesen Bausteinen wuchs das taiwanesische Wirtschaftswunder, zumal Taiwan auch ein Billiglohn-Land ist, das preiswerter produzieren kann als die ausländischen Konkurrenten. "Made in Taiwan" steht für netten Schnickschnack und Massenproduktion aus der Textilindustrie, aber auch für hochwertige Elektronik, Präzisionsgeräte und für Computertechnologie, deren günstige Preise den Weltmarkt herausfordern.

Der Preis des Fortschritts
Taiwan ist ein hochkapitalistischer Industriestaat, dessen Bevölkerung zu knapp 40% in der Industrie und über 50% im Dienstleistungsgewerbe tätig ist. Der Bergbau spielt mangels Ressourcen kaum eine Rolle, und nicht zuletzt deshalb setzt Taiwan hemmungslos auf Kernenergie. Doch expansive Industrie und intensive Landwirtschaft streiten um den knapp werdenden Raum. Nur ein Viertel der Gebirgsinsel ist landwirtschaftlich nutzbar. Die teuren Landgewinnungsprojekte vor der Küste schaffen keine unermeßlichen Räume, die Reisterrassen lassen sich nicht unendlich türmen, die landwirtschaftliche Produktion scheint ihre Grenzen erreicht zu haben. Dennoch: mit intensiver Bewässerung und noch intensiverer Düngung gibt es bis zu sieben Ernten jährlich beim Gemüseanbau. Zucker, Tee, Ananas und vor allem Reis werden nicht nur für den Eigenbedarf angebaut, sondern auch für den Export.

Düngemittel - das ist ein Schlüsselbegriff für Taiwans Wachstum, aber auch für seine wachsenden Umweltprobleme. Mit dem Dünger blüht nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die chemische Industrie der Insel, deren Schornsteine die Luft vergiften und deren Produkte die Böden und die Wasserqualität zerstören.
Taiwan steht vor erheblichen ökologischen Problemen als typische Folge seiner explosiven Wirtschaft. Mit dem Wohlstand der Bevölkerung, dessen Indiz ihre den Verkehrsinfarkt zeugende Motorisierung ist, wachsen auch ihre Ansprüche, so daß es mit den billigen Löhnen bald vorbei sein wird. Wenn "Made in Taiwan" teuer wird, mag das zwar die Zoll- und Wirtschaftskämpfe mit den Exportländern befrieden, von denen Taiwans ausfuhrorientierte Industrie gefährlich abhängig ist, aber der soziale Frieden im Land wird brechen, wenn verminderte Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt steigende Arbeitslosigkeit zu Hause schafft.
Taiwan muß umdenken, um mit sanfteren wirtschaftlichen Methoden drohende soziale und ökologische Gefahren abzuwenden. Da die Ethik seiner Menschen letztlich weder kapitalistisch noch kommunistisch, sondern konfuzianisch ist, mag es vielleicht weiser umzudenken wissen als manch westliches Land.

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Pagode in Kaoshiung

Das Land

Taiwans Anziehungskraft auf die vielen hunderttausend Besucher im Jahr beruht zum einen auf der außergewöhnlichen natürlichen Schönheit der Insel, zum anderen auf der reichen chinesischen Kulturtradition, die auf Taiwan zum großen Teil unverfälscht erhalten geblieben ist. Die Schönheit des Naturparadieses hat indes durch menschliche Eingriffe stark gelitten, und doch gibt es immer noch Plätze, wo nichts den Traum von Formosa stört, der gewebt ist aus satten tropischen Farben und der filigranen Architektur des alten China. Der Sonne-Mond-See in der geographischen Mitte der Insel ist ein solcher Ort. Hier ist jene malerische Einheit zwischen Natur und Kultur erhalten, die für die alten buddhistischen "Inszenierungen" typisch ist, die natürliches Wachstum und Baukunst zu verbinden wußten zu Orten der Meditation.

Die Taroko-Schlucht im Zentralgebirge bietet ein vergleichbares Bild in der Komposition aus Felsen, Vegetation und menschlicher Gestaltung: Zahlreiche Wasserfälle stürzen über die Bergkämme in die Schlucht, Marmorbrücken und der "Schrein des ewigen Frühlings" erhöhen den Zauber dieser scheinbar unberührten Naturlandschaft. Proszenien, in denen sich Natur und Kultur zur Feier der Weltordnung Buddhas einen: auch das ist das nach Taiwan gerettete Altchina, und es ist die Sprache des südostasiatischen Raumes, die im Abendland nichts Vergleichbares hat.

Taiwan bedeutet Terrassenland
Taiwan, vom chinesischen Festland (Xiamen, Provinz Fujian) ca. 150 km entfernt, liegt am Westrand des pazifischen Tiefseegrabens an der Nahtstelle des Ryukyu- und des philippinischen Inselbogens. Zum Staatsgebiet der Inselrepublik gehören ebenfalls die vulkanischen Pescadores-Inseln in der nur 70 m tiefen Formosastraße sowie die Inseln Quemoy und Matsu unmittelbar vor dem chinesischen Festland.
Als Teil des jungen Faltengebirges, das den ostasiatischen Inselbogen aufbaut, erhebt sich auf Taiwan, gleichsam als Rückgrat der Insel, das vielfach gefaltete und zerbrochene Chungyanggebirge. Teils schwer zugänglich und vontropischem Regenwald überwuchert, sind in den höheren Gebirgslagen - mehr als 60 Gipfel übersteigen 3000 m - deutliche Spuren einer eiszeitlichen Vergletscherung vorhanden. Nach Osten fällt der mittlere Gebirgsabschnitt steil zur Taitosenke ab, die durch das vulkanische Küstengebirge in einer atemberaubenden Abbruchkante bis zu 1000 m schroff vom Pazifischen Ozean getrennt wird.

Die westliche Gebirgsabdachung ist nicht so spektakulär. Und wenn die "Ilha Formosa" heute "Taiwan" heißt, so findet man hier die Begründung, denn die Übersetzung aus dem Chinesischen bedeutet "Terrassenland"- und über ein terrassenförmiges Berg- und Hügelland neigt sich die Insel vom Zentralgebirge bis zu der flachen, fruchtbaren und von weiten Wattflächen, Haffs und Nehrungen gesäumten Küstenebene.
Das Klima auf Taiwan ist sehr niederschlagsreich und in den Nehrungen subtropisch warm. Da die Insel im Einflußbereich des jahreszeitlich wechselnden Monsuns liegt und das Zentralgebirge als Klimascheide wirkt, sind die klimatischen Bedingungen regional sehr unterschiedlich. In den Sommermonaten, wenn der Süden des Landes sein Niederschlagsmaximum erreicht und die Luftfeuchtigkeit bis auf 80% ansteigt, wird die Insel häufig von Taifunen heimgesucht.

Sonne-Mond-See

Tradition und moderner Industriestaat
Komplizierte Bewässerungssysteme und intensive Düngung treiben die Reisfelder in Terrassen die Berge hinauf, und wenn auch der flache Küstensaum bevorzugtes Siedlungsgebiet ist und das unwegsame Gebirge einsam bleibt, so stimmt dieses traditionelle Siedlungsmuster nur noch zum Teil: Wo immer Agrartechnologie Anbau noch möglich macht, findet er statt; wo immer Infrastruktur Industriegebiet noch erschließt, wird betoniert.
Zwar finden die etwa 400.000 Ureinwohner der Insel, die als Malay-Polynesier ihre vorzeitlichen Lebensgewohnheiten - Sammelwirtschaft, Jagd, Hackbau - nie ganz aufgegeben haben, noch Fluchträume immer weiter zurückgezogen in den Gebirgen, aber im ganzen gelten auch auf Taiwan nicht Geographie und alte Bevölkerungsmuster als prägende Elemente, sondern wie in jedem modernen Industriestaat regelt das Erwerbsleben den Alltag miteinander.

Schließlich sind die Taiwanesen in erster Linie Chinesen, und zwischen den Einwohnern, Einwanderern und Flüchtlingen schafft gemeinsamer Erwerb mit relativem Wohlstand auch relativen Frieden. Der relative Friede entspringt zum Teil der gemeinsamen buddhistischen Religion; der relative Wohlstand schafft soziale Ruhe und ist statistisch dokumentiert durch die hohe Zahl privater Versicherungsabschlüsse: Wer Leben und Hausstand versichert, hat die existentiellen Sorgen schon hinter sich. Taiwans Bevölkerung spalten nicht wie in vielen Ländern Indochinas historische Risse und ideologische Grenzen, sondern eher kapitalistische Interessenkonflikte, ökologische Diskussionen oder der nachbarliche Wettkampf um das größere Haus, das schnellere Auto.

Doch parallel zur Organisation als liberaler Wirtschaftsstaat ist in taiwanischen Bräuchen - selbst der Manager - altchinesische Tradition lebendig und mildert der Buddhismus die schneidenden Konturen der Wirtschafts- oder Karrierekämpfe.
Und fernab der ausgedehnten Industriezonen und der Regionen organisierten Tourismus findet man auf Taiwan in den Bergen immer noch Reste unberührter Regenwälder und sogar noch Strande, die unverdorben blieben - so gibt es auf Taiwan von allem etwas, aber von nichts das Ganze: ein bißchen Natur, ein bißchen Altchina, konfuzianische Tugend versus kapitalistische Moral.

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Geschichte

"Ilha Formosa", die schöne Insel, so tauften die portugiesischen Entdecker 1590 jene Insel vor der chinesischen Festlandsküste, die seit Ende des Zweiten Weltkriegs unter ihrem amtlichen chinesischen Namen Taiwan wiederholt in den Mittelpunkt des Weltinteresses gerückt ist. Nur eine 150 km breite Meeresstraße trennt die 22 Millionen Inselbewohner von ihren Landsleuten auf dem chinesischen Festland. Doch dort herrschen Präsidium und Partei der Volksrepublik China, während in Taipeh, der Hauptstadt der nationalchinesischen Inselrepublik, bis heute der Anspruch aufrechterhalten wird, das wahre China zu repräsentieren. Zum Teil scheint dieser Anspruch gerechtfertigt, denn schnell gewinnt man in Taipeh den Eindruck, daß das alte China hier seine Hauptstadt gefunden habe und Taiwan Siegelbewahrerin seiner Kultur ebenso wie seiner alltäglichen Sitten geblieben ist.

Lungshan

Im Longshan-Tempel Der 1736 erbaute Longshan-Tempel ist Kuan Yin geweiht. Sie gilt als weiblicher Bodhisattva des Mitgefühls bzw. Göttin der Barmherzigkeit. Aber es werden hier auch viele andere Gottheiten verehrt. Dies ist der beste Ort, um etwas über chinesische Götter zu lernen.
In diesem kunsthistorisch wertvollen Tempel zelebrieren die Menschen buddhistische Rituale, opfern Räucherstäbchen und befragen die Wurforakel der Mönche.

Das quirlige Treiben auf dem Nachtmarkt Taipehs und die exotischen Angebote aus seinen brodelnden Garküchen, die Schlangenbeschwörer auf den Plätzen und das lärmige Geschäftsleben in den Straßen zeigen ein temperamentvolleres und bunteres China als das der Volksrepublik. Das Nationale Historische Museum verfügt über die größte und bedeutendste Kunstsammlung ganz Chinas: Die meisten dieser Schätze haben die vor Mao flüchtenden Nationalchinesen mitgebracht.

1009-2009: Die Meeresgöttin Mazu (Ma-tsu)

Die beliebteste Volksgottheit der Taiwanesen ist Mazu (Ma-tsu). Der Legende nach lebte Mazu am Ende des 10. Jahrhunderts auf der Insel Meizhou, die zu der südostchinesischen Provinz Fukien gehört. Sie fiel schon als Kind durch außergewöhnliche Begabung auf. Bereits in jungen Jahren entsagte sie dem Verzehr von Fleisch und entschied sich für ein Leben in Keuschheit. Als sie 16 Jahre alt war, wurden ihre übernatürlichen Fähigkeiten entdeckt. Einmal sah sie im Traum ein Schiff mit ihren Brüdern und dem Vater in einem Taifun untergehen. Sie eilte hinzu und es gelang ihr, die Brüder zu retten, nicht aber den Vater, da sie von der Mutter geweckt wurde. Die Traumgeschichte wurde Wirklichkeit und während die Brüder mit dem Leben davonkamen, ertrank der Vater.
Als Mazu im Alter von 28 Jahren starb, soll sie in den Himmel aufgefahren sein, wo sie in den Rang einer Göttin erhoben wurde. Seitdem ist Mazu die Meeresgöttin und Schutzpatronin der Seefahrer. Im Laufe der Zeit nahm ihre Beliebtheit weiter zu, und so wurde sie zu einer barmherzigen Göttin und allgemeinen Nothelferin, die unter anderem auch Reichtum und Kindersegen spendet.
Alljährlich finden vor allem in Südostchina und auf Taiwan im dritten Monat des traditionellen chinesischen Mondkalenders – etwa Anfang Mai nach westlichem Kalender - prachtvolle Tempelfeste und feierliche Prozessionszüge zu Ehren des Geburtstages der Göttin Mazu statt.
Siehe auch: www.eastasianarthistory.net, Eröffnung der Ausstellung "Mazu. Chinesische Göttin der Seefahrt" im Völkerkundemuseum München am 10. Feb. 2009.

Geschichte
Ursprünglich lebte auf der Insel Taiwan eine malaiisch-polynesische Bevölkerung, die seit dem 13. Jahrhundert von einwandernden Festlandchinesen allmählich in die abgeschiedenen Bergregionen zurückgedrängt wurde. 1590 entdeckten Portugiesen die unter chinesischer Oberhoheit stehende Insel. Vom Ruf der "Schönen Insel" angelockt, errichteten Holländer und Spanier umfangreiche Festungsanlagen. Die Holländer, die sich schließlich gegenüber den Spaniern erfolgreich auf Taiwan behaupteten, bauten es zu ihrem Handelszentrum in Ostasien aus. Doch 1662 gelang es, mit Hilfe der Restarmee der Ming-Dynastie unter dem heute noch als Nationalheld verehrten General Zheng Chenggong (portugiesisch: Koxinga), die Holländer zu vertreiben. 1683 wurde Taiwan Teil des Mandschu-Reiches und verlor als Provinz Festlandchinas seine Eigenständigkeit.
Aufgrund des verlorenen ersten Chinesisch-Japanischen Krieges mußte China Taiwan 1895 an Japan abtreten, das die Insel im Friedensvertrag von Shimonoseki völkerrechtlich zugesprochen bekam. Gleichermaßen mußte Japan - nach seiner Niederlage im Zweiten Weltkrieg 1945 - die Kolonie an das inzwischen Republik gewordene China zurückgeben.

"Die wahre Republik China"
1949 wurde Taiwan zur neuen Heimat für zwei Millionen Nationalchinesen. Es waren Anhänger der Guomindang-Regierung unter Chiang Kai-shek (1887-1975), die vor der Roten Armee Mao Zedongs vom Festland auf die Insel flüchteten. Chiang Kai-shek und der mit ihm geflohene Apparat von Verwaltung und Militär übernahmen die Regierung der Insel und erklärten Taiwan zur völkerrechtlich allein legitimierten Vertretung ganz Chinas.
Die nichtkommunistische Welt akzeptierte diesen Anspruch zunächst und unterstützte ihn mit Wirtschafts- und Militärhilfe. Taiwan wurde zum Eckpfeiler des südostasiatischen Verteidigungssystems der USA. Doch im Zuge der weltpolitischen Veränderungen der 1960er Jahre und mit der vorsichtigen Öffnung der Volksrepublik nach Westen wendete sich das Blatt. 1971 verlor Taiwan die Vertretung Chinas in den "Vereinten Nationen" an die Volksrepublik. 1979 erkannten die USA die Volksrepublik an. Sie brachen ihre diplomatischen Beziehungen zu Taiwan ab und kündigten das Verteidigungsabkommen, während jedoch die wirtschaftlichen Beziehungen weiter bestehen blieben. 1980 wurde das Land weiter isoliert und von der Mitarbeit im Internationalen Währungsfond und der Weltbank ausgeschlossen. Gegenüber der Volksrepublik hielt die Regierung in Taipeh an ihrer "Politik der drei Nein" (keine Verhandlungen, keine Kontakte, keine Kompromisse) weiter fest. Die Regierung in Peking verstärkte ihrerseits besonders nach dem britisch-chinesischen Abkommen von 1984 über Hongkong das Werben um Taiwan.
Im Innern wurden die Forderungen der taiwanesischen Bevölkerung nach politischer Mitsprache, politischen Reformen und weitgehender Demokratisierung immer lauter. Es regte sich Widerstand gegen die Alleinherrschaft der Guomindang-Festlandchinesen. Erst Präsident Chiang Ching-kuo (1910-1988), Sohn und Nachfolger Chiang Kai-sheks, leitete in seinem letzten Amtsjahr eine behutsame innenpolitische Liberalisierung ein. Doch seitdem wuchs das Selbstbewußtsein der Bewohner, die in zunehmendem Maße für einen Verzicht auf eine chinesische Wiedervereinigung zugunsten der eigenen politischen Unabhängigkeit eintreten, was allerdings nach wie vor nicht der offiziellen Regierungslinie entspricht.

Mit Lee Teng-hui (* 1923) amtierte ab 1988 erstmals ein gebürtiger "Taiwanese" als Staatspräsident. Er ließ 1991 die ersten direkten und freien Wahlen zur Nationalversammlung seit 1947 zu und wurde 1996 in der ersten direkten Volkswahl im Amt bestätigt. Bei den Präsidentschaftswahlen im März 2000 wurde Chen Shui-bian (* 1951), Kandidat der oppositionellen Demokratischen Fortschrittspartei, neuer Staatspräsident. Damit endete die seit mehr als 50 Jahren währende Herrschaft der Guomindang.

Chiang Kai-shek
Chiang Kai-shek (rechts) führte ab 1949 die chinesische Nationalregierung auf Taiwan. Chiang wurde 1918 Mitglied in Sun Yatsens Guomindang (Nationalpartei) und leitete die Militärakademie von Whampoa. 1926 übernahm er das Kommando über die Nationalarmee und begann mit kommunistischer Unterstützung einen Feldzug zur Vereinigung Chinas. Er eroberte Mittel- und Nordchina, wendete sich jedoch bald gegen die Kommunisten. 1928 gründete er in Nanjing eine Nationalregierung. Bis 1937 bemühte sich Chiang, Chinas Wirtschaft und Regierung zu reformieren. Die japanische Invasion in China zwang die Nationalisten und Kommunisten, gemeinsam Front zu machen. Nach Ende des Chinesisch-Japanischen Krieges begann der Endkampf zwischen beiden Parteien. Ende 1949 floh Chiang nach Taiwan, wo er 1975 starb.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1380 f.



www-Links

( = Seiten von MUZ)



Buddhismus
China
Taiwan: ein historischer Überblick
CIA - The World Factbook -- Taiwan
Government Information
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Taipei Times
Taiwan News Online
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Wikipedia: Chiang Kai-shek
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