Offizieller Name: Nihon-Kohu Hauptstadt: Tokio Fläche: 377.829 km² Landesnatur: Überwiegend gebirgiges Inselreich mit vier Hauptinseln uund rund 500 kleineren Inseln; um Tokyo größere Tiefebene Klima: Im N gemäßigtes, im S subtropisches Klima Hauptflüsse: Shinano, Tone, Ishikari Höchster Punkt: Fudschiyama 3776 m Regierungsform: Parlamentarische Monarchie Staatsoberhaupt: Kaiser Regierungschef: Premierminister Verwaltung: 44 Präfekturen, 3 Stadtpräfekturen (Hauptstadt Tokyo, Osaka, Kyoto) Parlament: Zweikammerparlament, bestehend aus Unterhaus mit 480 für 4 Jahre gewählten Abgeordneten und Oberhaus mit 252 für 6 Jahre gewählten Abgeordneten Nationalfeiertag: 11. Februar, 23. Dezember Einwohner: 126.505.000 (1999); 127.368.088 (geschätzt für 2012) Bevölkerungsdichte: 335 Ew./km² (1999) Stadtbevölkerung: 79% (1999) Bevölkerung unter 15 Jahren: 15% (1999) Analphabetenquote: 1% Sprache: Japanisch Religion: Shintoisten und Buddhisten 80% (die meisten Japaner sind sowohl Shintoisten als auch Buddhisten), Christen 2%
Ein dichtes Nebeneinander unaufgelöster kultureller Widersprüche durchzieht das Leben der Menschen auf den japanischen Inseln. Hinter äußerlicher "Verwestlichung", die deutlich im neuen Lebensstil der Jugend zum Ausdruck kommt, verbergen sich unverändert traditionelle japanische Werte, wie der hohe Stellenwert von Familie und Gruppe und das Streben nach Harmonie.
Eine Kreuzung in der Shinjuku-dori, eine der Haupteinkaufsstraßen im Geschäftsviertel Shinjuku in Tokio. Der nahegelegene Shinjuku Bahnhof ist einer der belebtesten der Welt .(Photo: NF)
Die schnelle wirtschaftliche Entwicklung seit 1968 hat solche Werte nicht aufgehoben, sondern in die Industriegesellschaft eingelagert. Dabei konnte die konfuzianische Forderung der Elitenrekrutierung durch Bildungsauslese für die wachsende Leistungsfähigkeit der japanischen Wirtschaft optimal genutzt werden. Ein ausgeprägtes Gruppendenken in Japan, das sich als Gegensatz zwischen "Innen" (uchi) - die eigene Gruppe, Betrieb, Familie - und "Außen" (soto) - die anderen Betriebe und Gruppen - äußert, förderte früh wirtschaftliches Konkurrenzdenken: Japans Riesenunternehmen liefern sich untereinander genauso erbitterte Konkurrenzkämpfe wie international gegenüber ausländischen Wettbewerbern.
In dem betäubenden Wirbel optischer und akustischer Reizüberflutung japanischer Riesenstädte ist es kaum vorstellbar, sich in Zen-Naturbetrachtung zu verlieren und den "Klang der Stille" zu hören - und doch gibt es Top-Manager, die sich in Bergklöster zur Zen-Meditation zurückziehen, um neue Kraft zu sammeln. Auch in einer medienüberfluteten und nach westlicher Warenästetik ausgerichteten Gesellschaft behaupten sich japanisches Schönheitsempfinden und unbefangene Freude an traditioneller Kunst: Studenten pflegen emsig den klassischen Tanz - das Blumenstecken (ikebana) und die Teezeremonie (sado) haben eine unübersehbare Anhängerschaft. Die klassische japanische Musik behauptet sich mühelos neben der ungeheuer populären westlichen sinfonischen Musik.
Die raffiniert schlichten Holzhäuser Japans mit ihren streng gegliederten Papierschiebetüren und Böden, die mit binsenbespannten Reisstrohmatten (tatami) belegt sind, haben in den Riesenstädten mit explodierenden Bodenpreisen keinen Platz mehr; aber selbst in den eintönigen Apartments der Betonhochhäuser wird noch ein klassisch-japanisches Zimmer für die Teezeremonie eingebaut.
Bevölkerungsentwicklung, unkontrollierte Ausdehnung der Großstädte an den Küsten und immer neue Industrieansiedlungen haben zu großflächigen Landschaftszerstörungen geführt - die enge Verknüpfung zwischen japanischer Kultur und Naturerleben konnte das nicht verhindern. So müssen japanische Kulturtraditionen neue Ausdrucksformen in einer Industriegesellschaft finden, deren Lebensgefühl von Konsum, elektronischen Medien und wachsender Oberflächlichkeit bestimmt wird.
Das japanische Inselreich bildet unweit des asiatischen Festlands einen girlandenförmig gezogenen Inselbogen, der neben den vier Hauptinseln Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu aus 3300 bis über 3900 kleinen und kleinsten Inseln besteht, je nach Definition des Begriffes "Insel". Mit seinen nationalen Grenzen stößt Japan zur See im Norden an russisches Gebiet, im Westen fast bis an die koreanische Halbinsel, und im Südwesten liegt die äußerste japanische Insel nur 200 km Luftlinie von Taiwan entfernt.
Vier Klimaregionen
Japan erstreckt sich über rund 3.800 km vom Ochotskischen Meer im Norden bis zum Ostchinesischen Meer im Süden. Der weite Inselbogen verbindet von Nord nach Süd sehr unterschiedliche Klimazonen, die zahlreichen Gebirgsketten markieren eine west-östliche Wetterscheide. Deutliche Jahreszeitenwechsel sind in allen Teilen Japans die Regel, aber es gibt dabei vier klar unterscheidbare Klimaregionen: die pazifische Region mit hohen sommerlichen Niederschlägen, die dem japanischen Meer zugewandten Landesteile und die Nordinsel Hokkaido mit schweren Schnee-und Regenfällen im Winter, eine Inlandzone, die verhältnismäßig geringere Niederschläge hat, und schließlich als extremer Gegensatz zu den kühlen bis kalten Zonen im Norden die südwestlichen Inseln mit ihrem fast subtropischen Klima.
Allen Klimazonen gemein ist eine Regenzeit im Frühsommer (Juni bis Anfang Juli). Dem Sommer zwischen Juni bis Anfang September folgt eine Taifun-Periode, die sich häufig bis in den Frühherbst erstreckt. Der Jahreszyklus wird in allen Klimaregionen durch einen dreimonatigen Winter von Dezember bis Februar abgeschlossen. Im Sommer werden die japanischen Inseln von feuchtheißen Winden aus südöstlicher Richtung, vom Pazifik her überstrichen, im Winter wehen kalte nordwestliche Winde vom chinesischen Festland über den japanischen Archipel.
Das vulkanreichste Land der Erde
Die japanischen Inseln sind die Spitzen eines aus mehreren tausend Metern Tiefe aufsteigenden Gebirgssystems, das in den zentralen japanischen Alpen westlich von Tokyo die höchste Erhebung erreicht. Eine der geologisch bedeutendsten Leitlinien der Oberflächengestaltung ist die sogenannte Medianlinie, die als junge längsgerichtete tektonische Bruchzone vom Nordwesten Hokkaidos bis nach Nord-Kyushu verläuft.
März 2011: Ein Erdbeben der Stärke 9,0 erschüttert die Ostküste Japans
Ein Erdbeben der Stärke 9,0 (nach Richter) hat am 11. März 2011 Japan erschüttert. Es handelt sich um das stärkste jemals in Japan gemessene Beben. Nachfolgende 10-20 Meter hohe Tsunami-Wellen haben weite Teile der nordostjapanische Küste verwüstet. Schätzungen zufolgen starben mehr als zwanzigtausend Menschen, etwa 500.000 Menschen haben ihr Heim verloren. Einige Atomkraftwerke haben schwere Schäden erlitten. Im Atomkraftwerk Fukushima kam es zu Explosionen und zum Entweichen von Radioaktivität. Die Regierung rief den atomaren Notstand aus und ordnete Evakuierungen im Umkreis von 20 Kilometern an (USA empfehlen 80 Kilometer). Das verheerende Erdbeben und die nachfolgenden Tsunamis verursachen Schäden in gigantischem Ausmaß und stürzen Japan in die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Einen Monat später wird die Atomkatastrophe von Fukushima als ebenso gravierend wie das Reaktorunglück von Tschernobyl (Ukraine) im Jahr 1986 bewertet: Stufe 7 "Super-Gau".
Bereits am 9. März wurde ein Erdbeben der Stärke 7,3 registriert.
Juli 2013: ehemaliger Direktor des AKWs Fukushima 1, Masao Yoshida, ist im Alter von 58 Jahren an Krebs gestorben.
November 2013: Die von Fukushima ausgehende Radioaktivität breitet sich ständig weiter aus und gelangt zunehmend in unsere Nahrungskette. Der radioaktive Fallout aus Fukushima belastet bereits die gesamte Westküste Nordamerikas. Diese schleichende Vergiftung wird über die Jahre u.a. zu immer mehr Krebsfällen führen.
Siehe: Das wahre Ausmaß der Verstrahlung.
Siehe auch: Neue Weltordnung
Eine zweite bedeutende geologische Leitlinie ist die quergerichtete Einbruchzone (fossa magna) auf Honshu, in der sich mit 3776 m der höchste japanische Berg, der Fudschiyama, erhebt. Vulkanismus, Erdbeben und heiße Quellen sind die Begleiterscheinungen dieses komplizierten geologisch-tektonischen Aufbaus der japanischen Inselwelt. In keinem anderen Land der Erde gibt es so viele, z. T. noch aktive Vulkane. Die "Feuerberge" haben die Bodenbeschaffenheit Japans in zahlreichen Regionen geprägt. Vulkanasche und Lavaflächen früherer Ausbruchskatastrophen haben einerseits fruchtbare Böden entstehen lassen, andererseits hinterließen jüngere Vulkanausbrüche im östlichen Hokkaido und an der Nordspitze von Honshu wasserarme und karge Böden.
Unerwartet und beängstigend plötzlich kann sich der scheinbar feste Boden schütteln: Erdbeben! In Japan bebt die Erde mehr als in jedem anderen Land der Welt. Im Jahresdurchschnitt werden rund 7500 Erdbeben seismographisch registriert, von denen sich rund 1500 durch geringe Erschütterungen des Bodens äußern. Allein in der Region Tokyo ereignen sich jährlich 40 bis 50 Beben, die körperlich wahrgenommen werden können. Schwere Erdstöße mit starken Zerstörungen ereignen sich im Durchschnitt alle zwei Jahre irgendwo im Lande. Wenn das Epizentrum eines Bebens auf dem Meeresgrund liegt, kommt es nicht selten zu einer weiteren Naturerscheinung mit oft katastrophalen Folgen: Dann können riesige Flutwellen - die sogenannten Tsunamis - über die Küsten hereinbrechen und weite Landstriche zerstören.
Fukushima: Die größte atomare Katastrophe der Menschheit
April 2012: Die Kernschmelze in den Reaktoren ist auch ein Jahr nach Erdbeben und Tsunami noch immer nicht unter Kontrolle. Gerade wird wieder ein Ansteigen der Temperatur in Reaktorblock 2 gemessen. Und während die Kernschmelze weiter vor sich hin brodelt, verbreitet sich der radioaktive Niederschlag über die gesamte nördliche Hemisphäre. Er verseucht die Meere und die Böden, gelangt in die Nahrungskette und wird über die nächsten Jahrzehnte viele Millionen Menschen langsam sterben lassen. Doch in Tokio wie auch anderswo in der Welt scheint Fukushima (oder auch "3/11", wie dieses Ereignis in Anlehnung an "9/11" mittlerweile genannt wird), in Vergessenheit geraten zu sein. Doch der Schein trügt: Inzwischen wird laut über eine Evakuierung der Metropolregion von Tokio mit 39 Millionen Einwohnern nachgedacht. Halb Japan ist laut Messdaten nicht mehr bewohnbar... November 2012: »[...] Wie auf Fukushima Diary nachzulesen ist, leidet mittlerweile fast jedes zweite Kind aus dieser Region unter Zysten bzw. Schilddrüsenknoten. Dabei wird es mit Sicherheit nicht bleiben. Dank verstrahlter Lebensmittel und belasteter Meeresorganismen breiten sich die Folgen still und leise immer weiter aus.[...]«
Zitat: www.theintelligence.de, Fukushima Update: Bis zum bitteren Ende, 21.11.2012 alles-schallundrauch.blogspot.com, Der Atomkrieg findet bereits statt, 2. Februar 2012 Video-Empfehlung: Fukushima - Die Wahrheit hinter dem Super-Gau, Doku 2012
Zwischen äußerer Gelassenheit und Panik, die dicht unter der Oberfläche lauert, leben die Japaner in der drangvollen Enge ihrer Städte mit der latenten Bedrohung durch Naturkatastrophen. Die extrem hohe Bevölkerungsdichte in den Küstengebieten und den kleinen Tal- und Beckenlandschaften ergibt sich aus dem Landschaftsgefüge Japans. Rund 67% der Bodenfläche sind bewaldet, hinzu kommen gebirgige Landesteile, so dass für landwirtschaftlich genutzte Flächen, Industriegebiete und städtische Siedlungen kaum mehr als 20% der Gesamtfläche übrig bleiben. Doch dort gesellt sich zur stets vorhandenen Gefahr durch Naturkatastrophen die Bedrohung durch die zunehmende Umweltverschmutzung.
Unberührte Natur in den Nationalparks
Abseits der Städte herrscht noch die Natur, begegnet man der stillen Schönheit der japanischen Nationalparks: Birken- und Lärchenwälder, bei denen nur die herausragenden Vulkankegel daran erinnern, dass sie sich nicht in Nordeuropa erstrecken.
Vulkankegel, deren Gipfel in die Wolken ragen, malerische Gebirgsseen, Wasserfälle, die von hohen Felsen stürzen, steile Felsküsten, an denen die Wellen des Ozeans unaufhaltsam emporbranden, Quellen, die in der Tiefe aufgeheizt aus dem Boden sprudeln .
Japan hat alle Formen landschaftlicher Schönheit zu bieten. Und das Land ist touristisch perfekt erschlossen, denn Reisen gehört zu den großen Leidenschaften der Japaner.
Der Staat
Innerhalb von nur vier Jahrzehnten gelang Japan nach dem Zweiten Weltkrieg der erneute Aufstieg zur asiatischen Großmacht. Doch diesmal stützt sich die japanische Macht auf friedlichere Methoden, auf die Leistungsfähigkeit ihrer Wirtschaft. Ein erneuter militärischer Weg war Japan schon durch das Friedensgebot der Verfassung versperrt.
Die japanische Verfassung wurde 1947 unter maßgeblicher Beteiligung der US-Besatzungsbehörden erarbeitet und ist stark beeinflusst durch die amerikanische Verfassung und durch englisches Verfassungsrecht. Die einschneidendsten Veränderungen der neuen Verfassung gegenüber der Vorkriegsverfassung waren: Einführung des Frauenwahlrechts und Erklärung der Volkssouveränität. Damit wurde der Kaiser (Tenno) entmachtet, dem die Vorkriegsverfassung eine gottgleiche Position zugewiesen hatte. Die neue Verfassung bezeichnet ihn nur noch als "Symbol Japans und der Einheit des japanischen Volkes" und beschränkt seine Funktion auf formale Aufgaben.
Die LDP - Regierungspartei ohne Alternative?
Die Notwendigkeit politischer Reformen war durch den Kriegsverlauf und das Versagen der traditionellen Führung vorgegeben. Folgerichtig dankte die alte Führungsoligarchie ab, aber die Kontinuität einer bürokratisch-technokratischen Fachelite blieb bestehen. Der wirtschaftliche Aufbau des Landes wurde unter Ministerpräsident Yoshida bereits 1953 abgeschlossen. Sein Nachfolger Hatoyama vereinigte 1955 die liberale und konservative Partei zur "Liberal-Demokratischen Partei" (LDP), die als konservativer Sammlungsverband mit enger Unterstützung der Großindustrie bis 1993 alleinige Regierungspartei blieb. Haupthindernis für einen Erfolg der Oppositionsparteien war unter anderem auch eine auf die LDP zugeschnittene Wahlkreiseinteilung. Erst nach den vorgezogenen Neuwahlen 1993 gelang es der Opposition, die durch Abspaltungen geschwächte LDP aus der Regierungsverantwortung zu verdrängen. Im Januar 1994 konnte endlich auch eine Reform des Wahlrechts verabschiedet werden. Im Juni 1994 wurde die LDP aber schon wieder Regierungspartei, und ab 1996 stellte sie auch wieder den Ministerpräsidenten.
Die "Japan GmbH & Co KG"
Die japanische Opposition muss gegen mächtige, fest etablierte Interessen antreten: Die Regierungspartei unterhält engste Beziehungen zu den Wirtschaftskreisen, deren Spendenaufkommen die LDP und ihre konservativen Bosse finanzieren. Zudem bestehen enge Kontakte zwischen den Elite-Beamten der zentralen Ministerien (Wirtschaft und Finanzen) und konservativen Parteipolitikern; viele hochrangige Beamte gehen nach ihrer Pensionierung in die Politik. Andere Spitzenbeamte "steigen vom Himmel herab" und erhalten hochdotierte Positionen in der Wirtschaft.
Die Spenden der Wirtschaft kommen in erster Linie aber nicht der Parteizentrale der LDP zugute, sondern den verschiedenen Fraktionen, jenen innerparteilichen Gefolgschaften mächtiger Parteibarone, deren Bündnis die LDP bildet. Die Fraktionsbosse schieben untereinander den Posten des Parteichefs - und damit das höchste Regierungsamt des Ministerpräsidenten - hin und her; häufige Ablösungen an der Partei- und Regierungsspitze sind daher die Folge. Zu einem historischen Machtwechsel kommt es in Japan im August 2009. ► Weiter lesen.
Dieses Video zeigt den Tagesablauf eines Mönches im Sôtô-Zen-Kloster Sojiji in Tsurumi, eine kleine Stadt auf halbem Weg zwischen Tokyo und Yokohama. Sojiji und Eiheiji sind die größten Sôtô-Zen-Klöster in Japan. Sie funktionieren als Hauptquartiere und Ausbildungszentren für Zen-Priester. Ebenso werden hier gern Ausländer aufgenommen, die in Zen unterrichtet werden wollen. Ein weiteres bekanntes Sôtô-Zen-Kloster in Japan ist Antaiji. Der Abt hier heißt Muho Neruke (Noelke) und stammt aus Berlin. Webseite: Kloster des Friedens.
Zen und Shinto
Durch das Streben nach wirtschaftlichem Wachstum und einem High-tech-Lebensstil scheint Japan seine beiden bedeutendsten Religionen vernachlässigt zu haben - den Shintoismus und den Buddhismus. Tatsächlich jedoch ist die japanische Lebensart nicht von einer spirituellen Denkweise zu trennen, und Rituale aus dem Shintoismus und Buddhismus können täglich beobachtet werden. Ungefähr 80% der Japaner sind Shintoisten und 80% Buddhisten. Diese Zahlen lassen sich dadurch erklären, dass viele Japaner beiden Religionen angehören, denn die Bekenntnisse stehen nicht im Widerspruch zueinander. Außerhalb der lärmenden modernen Städte drängen sich Pilger an großen Shinto-Schreinen wie denen bei Izumo und Ise, und Büroangestellte und Lehrer finden einen ruhigen Ort, um sich zurückzuziehen, in den Gärten der Zen-Klöster.
Die Frühzeit
Nur wenig ist über den Glauben der frühen Japaner bekannt, aber hier entstand die Basis für den Shintoismus. Wie man aus Aufzeichnungen, die zu Beginn des 8. Jahrhunderts gesammelt wurden, weiß, wurde allen natürlichen Dingen - Bergen, Felsen, Flüssen, Bäumen - ein Geist (kami) zugesprochen. Jede Person, die starb, wurde ein Kami und konnte zeitweilig irgendeines dieser Objekte bewohnen.
Mit dem Aufkommen der verschiedenen Klans und der religiösen Funktion, die dem Kaiser zukam, wurden vor der Einführung des Buddhismus die Mythen und Legenden über den Ursprung Japans beherrschend. Laut dieser Mythologie wurden die japanischen Inseln von einem Geschwisterpaar - Izanagi und Izanami - geschaffen, die von der "hohen Ebene des Himmels" herabstiegen und Amaterasu, die Sonnengöttin gebaren.
Im 4., 5. und 6. Jahrhundert kamen unter chinesischem Einfluss der Daoismus und Konfuzianismus nach Japan und vermischten sich mit der Mythologie und dem Glauben an "kami". Diese Verbindung unterschiedlicher Glaubenssätze wurde Shinto genannt, was soviel bedeutet wie "der Weg der Götter". Die Natur ist der wahre Shinto-Schrein, und ihre Kräfte werden verehrt. Die Götter existieren im Wasser der Quellen und Wildbäche oder im Gras und in den Bäumen, die um die Tempel wachsen. Der Shintoismus fand fast immer die Unterstützung des Staates, wohl besonders, weil er dem Kaiser göttliche Herkunft zugesteht und daher eine starke Rechtfertigung der kaiserlichen Herrschaft ist. Der Shintoismus als Staatsreligion wurde nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschafft.
Der Buddhismus
Der Buddhismus kam im Jahre 552 aus China und Korea und wurde ursprünglich von den Herrschenden abgelehnt, weil er die chinesische Kultur in Japan einbrachte. Die Auffassung vom Zyklus des Todes und der Wiedergeburt, die Bedeutungslosigkeit weltlicher Dinge, waren für den Japaner neu.
Zunächst herrschte - mehr aus politischen Gründen - eine Rivalität zwischen Anhängern des Shintoismus und des Buddhismus. Aber obwohl der Buddhismus von der Aristokratie angenommen und gefördert wurde, blieb der Shintoismus die Religion des Volkes.
Im Laufe der Geschichte des japanischen Buddhismus hat es viele Schulen gegeben, die gegründet und später wieder aufgelöst wurden. Heute existieren elf Schulen in Japan, die wiederum in achtundfünfzig Zweige unterteilt sind. Die Nara-Schule vertritt die älteste Form des Buddhismus in Japan; eine einflussreiche Form des Buddhismus - der Zen - wurde im 12. Jahrhundert durch den Mönch Tendai Eisai bekannt gemacht.
Formen des Zen
Unter Tendai Eisai bildete sich die Rinzai-Glaubensgemeinschaft des Zen heraus, aber kurze Zeit später gründete ein Mönch namens Dogen eine weitere Zen-Schule - Soto. Sie ist heute eine der aktivsten buddhistischen Glaubensgemeinschaften in Japan mit ungefähr acht Millionen Mitgliedern. Sie hat eine Universität, verschiedene Mittelschulen und ein umfassendes Programm sozialer Fürsorge. Als wichtigste Aspekte betont Soto die Sozialarbeit und moralische Verhaltensweisen.
Von den drei Hauptzweigen des Buddhismus - Jodo-Shinsu, Nichiren und Zen - bevorzugte die Kriegerschichte der Samurai den Zen-Buddhismus. Sie betonten die eher mit Gewalt verknüpften Aspekte des Zen - die Gleichgültigkeit gegenüber Leiden und Vergnügen und die Selbstdisziplin. Ironischerweise ist der Zen-Buddhismus in der modernen Zeit aufgrund seiner friedlicheren Seiten von neuem populär geworden.
Beim Zen-Buddhismus steht die Meditation (zen) im Mittelpunkt des religiösen Lebens und trägt zum Erreichen einer geistigen Erleuchtung (satori) bei.
Miyako - Die Insel der Hundertjährigen
Verglichen mit anderen Regionen Japans, werden die Menschen hier am ältesten und bleiben dabei meist gesund. Gründe hierfür können die lockere Lebensweise sowie die gesunde Ernährung sein. Die Speisekarte bietet wenig Fleisch und Salz, dafür viel Obst und Gemüse aus dem Garten, Algen und Seetang aus dem Meer, die hiesige Bittergurke Goya, hin und wieder ein Gläschen Sake (japanischer Reiswein). Außerdem trinken die Inselbewohner Wasser, das mit Mineralien aus Korallen angereichert ist und 20 mal mehr Calcium enthält als das Wasser anderswo. Der hohe Calciumkonsum hat bedeutende Auswirkungen für die Prävention von schweren Krankheiten (→ Entsäuerung, Säure-Basen-Gleichgewicht).
Music
»[...] In Miyako, the people are very straightforward. They tell you the story that they know. There are no gimmicks, there's no cheating and they're very spontaneous. You feel they are proud and have nothing to hide.
Then you hear it, this Miyako music sung by 80 or 90 year olds, it goes straight to your soul. [...]« From Okinawa, and they're singing the Japanese blues
Miyako (Hauptinsel der Miyako-Inselgruppe bestehend aus 8 Inseln) ist die viertgrößte Insel von Okinawa (ca. 160 Inseln). Sechs Millionen Japaner machen jedes Jahr Urlaub auf der Hauptinsel Okinawa und der südlichen Nachbarinsel Miyako. In Deutschland sind die subtropischen Inseln kaum bekannt. Trotz einiger Highlights. Dazu zählen beispielsweise die Traumstrände auf Miyako und das "Deutsche Kulturdorf Ueno". Es besteht aus einem Palast im Gründerzeitstil, Fachwerkhäusern und dem Nachbau der Marksburg, dessen Original bei Braubach/Koblenz am Rhein zu finden ist. Im dortigen Souvenirgeschäft werden Nussknacker und Kuckucksuhren verkauft.
Im Rahmen des G8-Gipfels auf Okinawa im Juli 2000, hat der damalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder auch Miyako besucht. Seitdem heißt eine der Inselhauptstraßen offiziell Gerhard-Schröder-Straße. Der Besuch von Schröder hatte auch historische Gründe. Im Juli 1873 war das deutsche Schiff "R.J. Robertson" vor Miyako in einen Taifun geraten und gekentert.
Siehe auch: Geschichte der Ryūkyū-Inseln
Japans Bevölkerung
Insulare Isolation und Jahrhunderte lange Abschließungspolitik gegen das Ausland haben unter den Japanern die Vorstellung von ethnischer Homogenität entstehen lassen, die sich mit einem ausgeprägten Bewusstsein der Einzigartigkeit verbindet. Der Anspruch auf völkische Einzigartigkeit taucht schon früh in Mythen und Chroniken auf: Mit der vermeintlichen Abstammung der Kaiserfamilie von der Sonnengöttin wurde eine herausgehobene Stellung "ihres" Volkes gegenüber anderen Völkern begründet, die im 19. Jahrhundert zur völkischen Staatsideologie weiterentwickelt wurde. Die unbezweifelbare kulturelle Homogenität der Japaner sollte eine ethnische Homogenität begründen. Jedoch zeigt bereits ein kurzer Blick auf die Menschen in den Straßen, dass die Japaner sehr unterschiedliche ethnische Merkmale aufweisen. Mehrere Einwanderungswellen in vor- und frühgeschichtlicher Zeit brachten über Landbrücken vom asiatischen Festland südchinesische, zentralasiatische und später auch koreanische Gruppen nach Japan; von Süden drangen südostasiatische und polynesische Völker vor. Aus einer Vermischung dieser Ethnien entstanden die heutigen Japaner.
40.000 Hundertjährige in Japan
Japan ist weltweit bekannt für seine extrem hohe Lebenserwartung. Im September 2009 gab es nach Angaben der Behörden im ganzen Land rund 40.000 Menschen, die älter als 100 Jahre waren. Alleine in den vergangenen zehn Jahren habe sich die Anzahl der über Hundertjährigen verdreifacht. Wie viele von ihnen tatsächlich noch leben, ist jedoch nicht hundertprozentig sicher.
Bei zunehmender Lebenserwartung und gleichzeitig sinkender Geburtenrate droht Japan bis zum Jahr 2060 die Schrumpfung seiner Bevölkerung von derzeit 128 Millionen auf 87 Millionen um rund ein Drittel. Dabei werde sich die Zahl der über 65-jährigen nahezu verdoppeln und der Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung (von 15 bis 64 Jahre) auf etwa die Hälfte der Bevölkerung reduzieren. Wie in anderen entwickelten Ländern, wird auch Japan über ein höheres Renteneinstiegsalter verhandeln müssen.
Die Ureinwohner Japans
Erste Ureinwohner der japanischen Hauptinsel waren die Ainu, die von Zentraljapan über Hokkaido bis zu den Kurilen siedelten. Sie trieben Jagd und Fischfang, ihre Religion kannte einen Bärenkult. Die Ainu unterschieden sich durch hellere Haut und starke Körperbehaarung vom heutigen Durchschnittsjapaner.
Zivilisatorisch höher entwickelte zugewanderte Völker verdrängten sie. Es folgten Jahrhunderte lange Assimilierungsprozesse und gewaltsame Unterdrückung. Nach offiziellen Angaben lebten Ende der 1990er Jahre auf Hokkaido noch 50.000 Ainu.
Das japanische Bildungssystem
Da die Schul- und Universitätsausbildung über die Qualität des späteren Arbeitsplatzes entscheidet, beginnt die Eliteauslese schon beim Kindergarten und setzt sich über alle Schulformen fort: von der sechsjährigen Grundschule über die dreijährige Mittelschule bis zur ebenfalls dreijährigen Oberschule, die von 95% der Mittelschulabsolventen besucht wird. Der Anteil teurer privater Bildungseinrichtungen ist ab der Oberstufe sehr hoch.
Vor dem Übergang zur Oberschule und zur Universität liegen scharfe Aufnahmeprüfungen, auf die sich viele Kinder in teuren Nachhilfestunden (juku) extra vorbereiten müssen. Nur die besten Colleges und erstklassige Universitäten, wie etwa die Todai-Universität in Tokyo, sichern gute Berufschancen und den Zugang zu einer angesehenen Firma. So sind z.B. zwei Fünftel des hohen Managements und etwa drei Viertel der hohen Regierungsbeamten Todai-Absolventen.
Aber über die auf den ersten Blick beeindruckende Erfolgsbilanz des japanischen Bildungssystems legt sich ein Schatten. Der Anteil der Schüler, die dem enormen Stress nicht standhalten, nimmt zu. Dies äußert sich sowohl in der Einrichtung von Sonderabteilungen für Schulstressgeschädigte in Krankenhäusern als auch in zunehmender Gewaltanwendung bei Schülern gegenüber Lehrern und in einer der höchsten Selbstmordraten von Jugendlichen weltweit.
Männer und Frauen
Ein scharf getrenntes Nebeneinander von "Männerwelt" (Firma, Kollegen) und "Frauenwelt" (Kinder, Erziehung, Haushalt) beeinflusst direkt die japanische Arbeitsmentalität. Nach der üblichen Üniversitätsausbildung und einem betrieblichen Aufnahmeverfahren konzentriert sich der künftige Tagesablauf bei Männern fast ausschließlich auf die Firma. Diese bildet dann die Großgruppe, der man sich zugehörig fühlt, die Kollegen in der Abteilung oder Schicht sind die verhaltensprägende Kleingruppe. Die Arbeitsleistung wird an der Gruppe gemessen; der einzelne wird in der Gruppe zum Einsatz motiviert. Andererseits übt die Gruppe im Betrieb auch Leistungsdruck aus. Der Abend gehört in der Regel mit zum Arbeitstag, Geselligkeit im Kollegenkreis ist unverzichtbar. Der Urlaub wird bis jetzt noch selten vollständig in Anspruch genommen; stattdessen gibt es häufig Betriebsausflüge an Wochenenden.
Die Rolle der Frau wird noch immer durch ihre Stellung in der Familie als Ehefrau und Schwiegertochter definiert. Trotz gesetzlicher Gleichberechtigung werden Frauen im Beruf bezüglich betrieblicher Ausbildung und Aufstiegschancen benachteiligt. Die Entwicklung von der als ideal angesehenen Großfamilie zur Kleinfamilie ist inzwischen unaufhaltsam; dennoch leben noch häufig die Eltern oder ein Elternteil des Ehemannes in der Familie, aber beengtes Wohnen macht diese Lebensform zunehmend schwierig. In der idealtypischen Familie verwaltet die Frau den Etat und trifft auch höherwertige Konsumentscheidungen allein. Sie überwacht den Ausbildungsgang der Kinder und treibt sie zu Höchstleistungen an. Die Beziehungen der Kinder zur Mutter sind eng, der Vater ist häufig eher ein willkommener "Gast". Das Nebeneinander zweier "Geschlechterwelten", zweier getrennter Sphären, die es zu respektieren gilt, behindert auch längere gemeinsame Freizeiten, in denen diese Trennung aufgehoben ist. Das Rollenverständnis der Frauen aber beginnt sich zu wandeln: das Heiratsalter steigt deutlich an, Frauen sind heute nach der Eheschließung allein schon aus ökonomischen Gründen häufig noch weiter berufstätig. Sie fordern daher bessere Ausbildungs- und Aufstiegschancen im Betrieb.
Soziale Randgruppen
Über 3 Millionen Burakumin (offiziell 1982: 1,3 Millionen) bilden in der japanischen Gesellschaft die größte soziale Randgruppe, deren Existenz von amtlicher Seite ungern zugegeben wird, obwohl es staatliche Förderprogramme für sie gibt. Die Bezeichnung Burakumin bedeutet soviel wie Bürger besonderer Gemeinwesen, Bewohner besonderer Siedlungen und Stadtviertel, und verweist auf die noch heute fortgesetzte soziale und siedlungsmäßige Diskriminierung dieser Bevölkerungsgruppe. Die Burakumin - ethnisch reine Japaner - sind die Nachfahren von Angehörigen aus buddhistischer Sicht "unreiner Berufe", wie Schlächter, Abdecker und Lederverarbeiter. Offiziell gibt es keine echten "buraku"-Gebiete mehr, aber immer noch sind sie durch Geburtsort und Familienregister zu identifizieren. Dem Burakumin ist in der Regel der Aufstieg in die Mittelschicht durch Vorurteile, Diskriminierung, aber auch durch Jahrzehnte lang verinnerlichtes Randgruppen-Bewusstsein verwehrt; die Karriere in Wirtschaftsunternehmen kann behindert werden, und Liebesbeziehungen können mitunter daran zerbrechen. Staatliche Hilfsprogramme mit Schwerpunkten in Osaka und Kyoto sind bisher gescheitert. Durch innere Zersplitterung sind auch die Interessenverbände der Burakumin bisher ohne Wirkung geblieben.
Nationale Minderheit - Die Koreaner
Die größte ethnische Minderheit der ansonsten homogenen japanischen Gesellschaft sind die Koreaner. Die ca. 700.000 Koreaner leben - im Gegensatz zu den Burakumin - nicht vorwiegend in geschlossenen Siedlungen, sondern über ganz Japan verstreut, allerdings mit Zentren in Osaka, Kobe und Kyoto. Allein im Osten von Osaka, im Stadtviertel Ikuno und Umgebung, leben etwa 180.000 Koreaner. Der wirtschaftliche Niedergang ihrer Heimat, die 1910 von Japan annektiert wurde, veranlasste seit den 1920er Jahren überwiegend koreanische Bauern, nach Japan überzusiedeln. Im pazifischen Krieg wurden sie dann verstärkt als Industriearbeiter dienstverpflichtet, später mussten sie auch in der Armee dienen.
Bei Kriegsende 1945 lebten über 2 Millionen Koreaner in Japan. Die meisten von ihnen kehrten zurück; die etwa 600.000 Verbliebenen verloren die japanische Staatsbürgerschaft, erhielten jedoch eine Sonderaufenthaltsgenehmigung und begrenzte soziale Rechte, etwa die Pflichtschule, eigene weiterführende Schulen und Sozialversicherung. Nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Japan und Südkorea 1965 erhielt auch die zweite Generation mehrheitlich dieselben Rechte. Nicht einbezogen in diese Regelungen war ein Drittel Koreaner, die sich der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) verpflichtet fühlten. Sie werden als Ausländer behandelt und genießen darüber hinaus keinen diplomatischen Schutz. Die in der Organisation "Chosoren" zusammengeschlossene nordkoreanische Minderheit wird auch heute noch aus Nordkorea unterstützt. Der Verband verfügt heute über Bildungseinrichtungen in Japan, die vom Kindergarten bis zur Universität reichen und in denen ausschließlich Koreanisch gesprochen wird. Eine Eingliederung in die japanische Gesellschaft wird von ihnen strikt abgelehnt. Aber auch die südkoreanische Minderheit hat sich zusammengeschlossen - in der Organisation "Mindan", die über ein breites Netz von politischen Institutionen verfügt, jedoch im wirtschaftlichen und kulturellen Bereich weniger aktiv ist. Beide Koreanergruppen, die jeweils zu Nord- oder Südkorea Beziehungen unterhalten, sind untereinander heftig verfeindet.
Zwischen Japan und Südkorea wurde 1990 auch für die dritte Koreaner-Generation das unbegrenzte Aufenthaltsrecht vereinbart - die Diskriminierungen aber gehen weiter, selbst die Bereitschaft zu völliger Anpassung "befreit" die Koreaner in Japan nicht. Allein ihre Herkunft versperrt ihnen den Einstieg in die großen japanischen Konzerne. Der überwiegende Teil arbeitet daher in koreanischen Ghettos in Minibetrieben oder als Heimarbeiter für Zulieferbetriebe. Teile der jüngeren Generation versuchen inzwischen auch, im Vergnügungswesen ihren Unterhalt zu verdienen.
Yakuza - Die japanische Mafia
Soziale Randgruppe - und doch untrennbar Teil der japanischen Gesellschaft - sind die Yakuza, Japans Gangstersyndikate. Der Begriff bezeichnete ursprünglich die schlechteste Augenzahl in einem Kartenspiel und verweist auf die Entstehung der Banden aus organisierten Glücksspieler-Gruppen in der Edo-Zeit (1600-1868). "Yakuza" heißt aber auch "Tagedieb", "Nichtsnutz". Die Yakuza sehen sich selbst häufig noch als Nachfahren der freien Ritter, als "japanische Robin Hoods". Sie waren ursprünglich nach strengen Ehrenregeln organisiert. Noch in jüngster Zeit konnte man in öffentlichen Bädern Yakuza an ihren kunstvollen Tätowierungen oder auch am verstümmelten kleinen Finger der linken Hand erkennen, der die Strafe für Regelverletzungen ist. Der alte "Ehrenkodex" zerfällt; Yakuza betreiben heute "normale" Kriminalität wie Prostitution, Glücksspiel und Drogenhandel.
Entwicklungen
Juni/September 2015: Verfassungsänderung, militärische Aufrüstung und Massenproteste
Das Unterhaus des japanischen Parlaments hat am 16. Juli einer Uminterpretation des Artikels 9 der Verfassung zugestimmt, was den seit 1945 bestehenden Nachkriegspazifismus beendet. Die Interpretation des Artikels 9 der Verfassung wurde dahingehend geändert, einen Militäreinsatz auch dann zu gestatten, wenn Alliierte angegriffen werden. Bislang durfte das japanische Militär nur im Falle eines Angriffs auf japanisches Hoheitsgebiet, d.h. im Verteidigungsfall kämpfen. Mit der neuen Interpretation ist ein Angriff auf Japan auch dann gegeben, wenn unter dem Dach der Verbündeten eines dieser Länder angegriffen wird. Das bedeutet, dass sich Japan in Zukunft verstärkt an Auslandseinsätzen und Kriegen beteiligen wird.
Die Neuinterpretation von Artikel 9 wird von 70 Prozent der Japaner abgelehnt. Sie meinen, dass hinter den Absichten der neoliberalen Abe-Regierung die USA stehen, und sie fürchten, nun in US-amerikanische Kriege hineingezogen zu werden. Insbesondere die älteren Bürger Japans sind in großer Sorge um die Sicherheit ihres Landes. Seit Ende Juni protestieren in vielen japanischen Städten Hunderttausende Menschen gegen die Pläne der Regierung, den pazifistischen Anspruch von Artikel 9 faktisch aufheben zu wollen und mit weiteren Gesetzen das Militär zu stärken. Shinzo Abe beschleunigt auch die militärische Aufrüstung des Landes. Das Budget für Militärausgaben wurde um 2,2 Prozent angehoben, was für 2016 Ausgaben von 5,1 Milliarden Yen (knapp 38 Milliarden Euro) bedeutet, so viel wie noch nie.
Inmitten globaler Spannungen und Konflikte bezeichnet die Regierung die neue Militärdoktrin »[...] als unvermeidliche Antwort auf eine wachsende Militärmacht Chinas und neue Gefahren, denen Japan ausgesetzt sei.[...]« Konfliktpunkte sind hierbei der Inselstreit zwischen China und Japan bezüglich der Senkaku-Inseln, sowie das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm.
Zitat: handelsblatt.com, 16.07.15
Siehe auch Video: Gegen Auslandseinsätze der Armee: Hunderttausend Japaner vor dem Parlament, 30.08.15
sowie wsws.org, Japan beschleunigt militärische Aufrüstung, 03.09.15
November/Dezember 2013: Spannungen zwischen China und Japan - USA drohen mit Bündnisfall
Im November 2013 lässt der Konflikt um die ostchinesischen Inseln abermals in China und Japan die Angst vor einer militärischen Auseinandersetzung hochkochen. China, das wie Japan die Inselgruppe für sich beansprucht, hat eine Luftverteidigungsszone um die Inselgruppe gezogen, die aber von Japan und den USA ignoriert wird. Bei weiterer Missachtungen der neuen "Verteidigungszone" will China nun mit militärischen Maßnahmen reagieren. Die USA, mit Japan verbündet, drohen China im Falle einer Eskalation mit dem Bündnisfall.
China hatte bereits im Vorfeld vor der US-amerikanischen Westküste mit Raketentests seine militärische Stärke gegenüber den USA demonstriert. Offenbar gibt es in China makabre Berechnungen, wie man die USA militärisch schwer schädigen könne. Zur Erhöhung der Todeszahlen wollten chinesische Streitkräfte mit atomaren Angriffen vor allem die Schlüsselstädte an der Westküste der USA, wie Seattle, Los Angeles, San Francisco und San Diego angreifen. Die 12 JL-2 Atomsprengköpfe, die ein einziges U-Boot Typ 094 SSBN trägt, könnten 5 bis 12 Millionen Menschen töten und verwunden (siehe: www.4thmedia.org, War Fears Rise After China Missile Tests Over Oregon: Decide Let Dollar Collapse, 1 Dec 2013).
Siehe auch: derstandard.at, China weist Kritik an Luftverteidigungszone zurueck20.11.2013
Dezember 2012: Die LDP ist wieder Regierungspartei
Bei den Parlamentswahlen am 16. Dezember 2012 siegte die LDP mit absoluter Mehrheit vor der DPJ (100 von 480 Sitze), die nach Meinung der Wähler in den Jahren der Regierung versagt habe (schwache Wirtschaft, Verunsicherungen nach Erdbeben, Tsunami und Desaster im AKW Fukushima). Regierungschef wird Shinzo Abe, der bereits von 2006 bis 2007 das Amt inne hatte. Eine Rückkehr zur Politik vor 2009 bedeutet, dass u.a. die Staatsverschuldung zulegen werde (die ohnehin bei mehr als 200 Prozent der Wirtschaftsleistung liegt), dass Sparziele und Steuerreformen gekippt werden und dass weiterhin auf Strom aus Kernkraftwerken gesetzt werde.
September 2012: Situation zwischen Japan und China eskaliert
25. Januar 2012: Japans Wirtschaft verzeichnet erstmals seit 31 Jahren ein Handelsbilanzdefizit. Es wurden mehr Waren importiert statt exportiert. Diese Entwicklung ergab sich vor allem aus den Folgen des Tsunamis vom März 2011 und der Überschwemmungen in Thailand vom Sommer 2011.
Am 26. August 2011 ist der wegen seines Umgangs mit der Tsunamikatastrophe und dem Atomunfall von Fukushima in die Kritik geratene japanische Regierungschef Naoto Kan von seinem Amt zurückgetreten. Neuer Ministerpräsident wurde Yoshihiko Noda, zuvor Finanzminister Japans.
Juli 2010: Die Volksrepublik China hat erstmals Japan ökonomisch überrundet und ist nun weltweit die zweitgrößte Wirtschaftsmacht.
Am 4. Juni 2010 hat die regierende Demokratische Partei den bisherigen Finanzminister Naoto Kan (63) in beiden Kammern des Parlaments zum neuen Ministerpräsidenten gewählt.
02. Juni 2010: Hatoyama gescheitert
Hatoyama (DPJ) galt als Hoffnungsträger, hatte er doch selbst einen konsequenten Wandel der politischen Landschaft in Japan angekündigt. Zu dem Änderungskatalog zählte u.a. auch, den US-Militärstutzpunkt Futemma auf Okinawa nach Ablauf der Vertragslaufzeit im Juli 2010 nicht weiter von den USA betreiben lassen zu wollen. Doch dieses Wahlversprechen wollte Hatoyama in seiner Konsequenz dann wohl doch nicht erfüllen. Desweiteren wird Hatoyama sowie dem Generalsekretär der Demokratischen Partei, Ozawa, vorgeworfen, in Spendenskandalen verwickelt gewesen zu sein. Die jüngsten Umfragewerte machten deutlich, dass nur 20% der Bevölkerung mit Hatoyamas Politik zufrieden waren. Am 30. Mai kam es wegen des Streites um den US-Stützpunkt zum Eklat im Kabinett. Die Sozialdemokraten verließen die Mitte-Links-Koalition. Der Druck aus seiner eigenen Partei führte schließlich dazu, dass Hatoyama nach nur acht Monaten von seinem Amt zurückgetreten ist.
Auf Okinawa sind von rund 47.000 in Japan befindlichen US-Soldaten mehr als die Hälfte stationiert.
August 2009: Historischer Machtwechsel in Japan
Erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert kommt es zu einem deutlichen politischen Machtwechsel in Japans. Die seit 1995 regierenden Liberaldemokraten (LDP) verloren gegen Japans größte Oppositionspartei, die Demokratische Partei Japans (DPJ). Neuer Regierungschef wurde Yukio Hatoyama.
Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise (2008/09)
Japans Exporte sind im Zuge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise ab Anfang 2008 um 50 Prozent eingebrochen und damit so stark wie noch nie. Zahlreiche Menschen werden arbeitslos.
Literatur
Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.703 f.