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Offizieller Name: Vereinigte Republik Tansania
Hauptstadt: Dodoma
Regierungssitz: Daressalam
Fläche: 883.749 km²
Landesnatur: Zwischen dem Zentral-afrikanischen Graben im W und dem Ostafrikanischen Graben im Zentrum liegt das Hochbecken von Unyamwesi mit dem Victoriasee, im O Küstentiefland mit vorgelagerten Koralleninseln
Klima: Tropisches Klima
Hauptflüsse: Ruvuma, Rufiji, Ugalla, Pangani
Höchster Punkt: Kilimandscharo 5.892 m
Regierungsform: Föderative präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Premierminister
Verwaltung: 25 Regionen
Parlament: Nationalversammlung mit 232 für 5 Jahre gewählten Mitgliedern; zusätzlich eigenes Parlament mit 75 Mitgliedern für Sansibar und Pemba
Nationalfeiertag: 26. April
Einwohner: 32.793.000 (1999); 43.601.796 (geschätzt für Juli 2012)
Bevölkerungsdichte: 37 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 28% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 45% (1999)
Analphabetenquote: 25% (1999)
Sprache: Kisuaheli, Englisch
Religion: Moslems 35%, Katholiken 32%, Protestanten 13%
Importgüter: Maschinen, Erdöl, Fahrzeuge, Nahrungsmittel, Tabak
Exportgüter: Kaffee, Baumwolle, Sisal, Tee, Nelken, Cashewnüsse | |
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Blick auf Kigoma. Tanganjikasee. 1983.
Massai. Auf der Reise über Ngorongoro, Serengeti nach Arusha. 1983.
Daressalam. 1983.
Sansibar. 1983.
Auf der Reise über Ngorongoro, Serengeti nach Arusha. 1983.
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Tansania
Kilimandscharo - das bedeutet "Der Berg des Bösen Geistes". Doch der Name täuscht, denn der böse Geist, der in der Geschichte und Gegenwart Ostafrikas immer wieder Unruhe und Not stiftet, ist in Tansania gezähmt. Treffender ist der Name der ehemaligen Hauptstadt Dar es Salaam - "Tor zum Frieden", denn auf dem Kontinent, der von politischen Krisen, blutigen Stammesfehden, Menschenrechtsverletzungen und Hunger heimgesucht wird, zeigt Tansania die andere Seite Afrikas, nimmt das Gesicht Afrikas maßvolleren Ausdruck. Dies gilt auch für den Charakter seiner Menschen, von denen der langjährige Präsident Nyerere einmal sagte, dass sie lieber miteinander reden und trinken würden anstatt sich gegenseitig in Stammeskriegen zu verfolgen - es gilt aber vor allem auch für die Natur des Landes.
Die beeindruckende Landschaft des Hochlands lässt die gängigen Klischeebilder Ostafrikas Gestalt annehmen: Das von Menschenhand nicht kultivierte Land öffnet sich dem Betrachter in unermesslicher Weite. Das Auge verliert sich am Horizont des tief gewölbten Himmels und kann nur festmachen am mächtigen Schattenriss der Akazienschirme. Ein nicht enden wollendes Land, das nur seinen Tieren gehört und eine friedvolle Stille atmet - als habe die Schöpfung gerade erst begonnen.
Das Land der unendlichen Weiten
Tansania, der größte Staat Ostafrikas, erstreckt sich vom Indischen Ozean über 1100 km landeinwärts bis zum Ostafrikanischen Seenhochland. Das Hochland nimmt den größten Teil von Tansania ein. Unendliche Trockensavannen ziehen sich in einer durchschnittlichen Höhe von 1200m über die flache bis leichtgewellte Hochebene. Im Westen wird es vom Zentralafrikanischen Graben mit dem langgestreckten Tanganjikasee begrenzt und im Osten von dem weniger deutlich ausgeprägten Ostafrikanischen Graben durchzogen und so in einen westlichen und einen östlichen Hochlandblock gegliedert. Lichter Trockenwald, im mittleren Teil von versumpften Senken unterbrochen, bedeckt weithin diese äußerst eintönige Rumpffläche.
Der Süden des östlichen Binnenhochlandes - das Iringaplateau - wird von Nebelwald und Feuchtsavanne bedeckt, die nach Osten in Dornbuschsavanne übergeht. Nach Norden senkt sie sich sanft zum Victoriasee ab. An der Grenze zu Kenia erhebt sich aus dem alten Vulkanmassiv der von drei Gipfeln gekrönte Kilimandscharo, dessen leuchtende Eishaube weithin sichtbar ist. Er ist die touristische Hauptattraktion Tansanias. |
Im Gegensatz zum Massentourismus Kenias mit all seinen negativen Begleiterscheinungen ist Tansania touristisch noch weitgehend unerschlossen. Die Anreise zum höchsten Berg Afrikas organisiert man am besten von der unmittelbar südlich gelegenen Stadt Moshi aus. Die Besteigung des Gipfels, die selbst Ungeübten möglich ist, verspricht ein einmaliges, unvergessliches Erlebnis. Starkes Interesse können auch die zwölf Nationalparks und die siebzehn Wildreservate (Garne Reserves), die fast ein Sechstel der gesamten Landesfläche einnehmen, für sich verbuchen. Wenn auch der Safari-Tourismus in Tansania, allein bedingt durch den Straßenzustand, weniger bequem ist als in Kenia und die Unterkünfte in den Nationalparks oft in einem recht bescheidenen Zustand sind, so machen doch Artenvielfalt und Landschaft die Parks zu den schönsten Ostafrikas. |
Es fällt schwer, aus der Fülle des Angebots einige besonders herauszustellen. Die endlosen Savannen der Serengeti sind durch die von Bernhard Grzimek initiierte Kampagne "Serengeti darf nicht sterben" weltweit bekannt geworden. Im größten Reservat, dem Selous-Wildreservat, dessen nördlicher Teil touristisch erschlossen ist, leben Elefanten, Büffel, Kuh- und Säbelantilopen, Nashörner, Giraffen, Löwen, Zebras und viele andere Tiere.
Die intensiven, mit hohen Kosten verbundenen Bemühungen der Regierung, Natur und Tierwelt zu schützen, verdienen den Respekt der Besucher. Es wird sich aber zeigen müssen, ob der angestrebte Ausbau des Safari-Tourismus ohne negative ökologische und soziale Folgen zu bewerkstelligen ist. |
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Die fruchtbare Küstenregion
Die Hochebene fällt zum Flachland an der Küste des Indischen Ozeans ab, das im Hinterland von Tanga als nur 50 km breiter Streifen beginnt und sich nach Süden auf etwa 400 km Breite ausdehnt. Weite Kokos-, Cashew- und Sisal-Plantagen prägen das Bild der landschaftlich intensiv genutzten Region. Viele kleine Dörfer leben vom Fischfang. Auch die größeren Städte liegen an der Küste. Zwar ist Dodoma im Landesinneren an der alten Karawanen- und Sklavenhandelsroute die offizielle Hauptstadt des Landes, doch mit seiner deutschen Kolonialarchitektur wirkt es gegenüber der Hafen-Metropole Dar es Salaam eher verschlafen. Neben wenigen kolonialen Relikten zeigt "Dar"-City die eher nüchterne Architektur einer modernen Handels- und Industriestadt. Die Atmosphäre um den Kariakoo-Markt mutet jedoch exotisch an und sehr afrikanisch durch die typischen Suaheli-Häuser in rechteckiger Lehmbauweise und mit den Dächern aus Palmstroh oder Wellblech.
Unmittelbar vor der Küste liegt die Insel Sansibar, die aus leicht gehobenen Korallenkalken aufgebaut ist. Dort wird ebenso wie auf der benachbarten Koralleninsel Pemba das arabische Erbe bewahrt, das in den engen Gassen der Altstadt, dem orientalischen Schmuck der Häuser und den Ruinen der Paläste sichtbar wird. Lichte Palmenwälder, verträumte Dörfer und Strande, die nur den Fischern gehören - all dies überlagert vom Duft der Gewürznelken -versetzen den Besucher in eine längst vergangene Zeit.
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Geschichte
Die überlieferte Geschichte Tansanias beginnt mit der Besiedlung der Küsten und ihrer vorgelagerten Inseln durch Araber und Perser, die dort Handelsniederlassungen gründeten. Die Araber trieben von dort aus Handel mit den schwarzafrikanischen Stämmen im Binnenland, die bereits über hochentwickelte Techniken der Eisenverarbeitung verfügten. Die schriftlichen Hinterlassenschaften - in Suaheli abgefasste Gedichte und Epen - zeugen von einer hochentwickelten Kultur. Im Überseehandel mit Indien wurde das feine afrikanische Elfenbein gegen Baumwoll- und Seidenstoffe getauscht. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts besetzten die Portugiesen das blühende Handelsreich der Orientalen. Mitte des 17. Jahrhunderts gelang es dem Sultanat von Oman, die Portugiesen zurückzudrängen und den eigenen Herrschaftsbereich an der ostafrikanischen Küste auszudehnen. Um 1830 verlegte Sultan Sayyid Said (1806-1856) sogar seinen Hof von Maskat nach Sansibar und errichtete eine Stadt, deren alte Viertel noch heute vergessen lassen, daß dieses Stück Altarabien geographisch zu Schwarzafrika gehört.
Um Festland und Inseln stritten sich Ende des 19. Jahrhunderts Deutschland und Großbritannien. Mit zweifelhaften "Verträgen" und militärischen Mitteln übernahm schließlich das Deutsche Reich das Festlandterritorium des heutigen Tansania als Kolonie. Sansibar hingegen gelangte durch einen Tauschhandel mit der in britischem Besitz befindlichen Nordseeinsel Helgoland zum britischen Empire. Die deutsche Kolonialmacht begann mit der technischen und wirtschaftlichen Erschließung der neuen Kolonie. Der Bau von Eisenbahnen und Straßen bildete die Grundlage einer Infrastruktur zum Transport der auf den Plantagen geernteten Waren. Das Ende des Ersten Weltkrieges beendete Deutschlands überseeische Herrschaft: Als Völkerbundmandat fiel das damals Tanganyika genannte Festland an Großbritannien.
Unter Führung von Julius Nyerere (1922 bis 1999) entstand 1954 die "Tanganyika African National Union" (TANU) als erste afrikanische Massenpartei. Da die Briten den Unabhängigkeitsbestrebungen keinen ernsthaften Widerstand entgegensetzten, erhielt das Festland 1961 seine volle völkerrechtliche Souveränität, die 1963 auch der Sultan von Sansibar, dessen Herrschaft auch zu Zeiten der britischen Kolonialverwaltung angedauert hatte, reklamieren konnte. Ein Jahr später schlössen sich Tanganyika und Sansibar, silbenmäßig vereint unter dem neuen Namen Tansania, unter der Präsidentschaft Nyereres zu einer Republik zusammen. |
Obwohl beide Landesteile auch nach dem Zusammenschluß weitgehend autonom blieben, wurden die Gründerjahre von tiefgreifenden inneren Konflikten überschattet, nicht zuletzt als Folge ihrer unterschiedlichen kulturhistorischen Erbschaften. Während die Insel Sansibar nach einer Revolte der schwarzafrikanischen Bevölkerung gegen die arabische Oberschicht unter der Führung von Abeid Amani Karume (1905-1972) in autokratischer Weise und mit Hilfe eines Revolutionsrates regiert wurde, fanden auf dem Festland im Jahr 1965 zum ersten Mal in einem afrikanischen Einparteienstaat demokratische Wahlen statt.
Der "Ujamaa-Sozialismus"
Ohne Festlegung auf Ost und West, deren Unterstützung als Hilfe zur Selbsthilfe verstanden wird, entwickelte Staatspräsident Nyerere einen auf sein Eand zugeschnittenen Sozialismus, der in der "Deklaration von Arusha" 1967 festgelegt wurde. Den Schwerpunkt bildete neben der Verstaatlichung von Banken und anderen Wirtschaftsunternehmen die Umstrukturierung der kleinbäuerlichen Selbstversorgung in genossenschaftlich organisierte Dörfer mit Schulen und Gesundheitszentren, um die auf- und ausgebaute soziale Infrastruktur effektiver greifen zu lassen. Die Durchsetzung des Programms der "Ujamaa", der Brüderlichkeit und des Miteinanders, erfolgte nicht ohne Zwang und konnte mit Korruption und bürokratischer Wirrnis die Kinderkrankheiten des Sozialismus nicht überwinden. Doch trotz aller Mißwirtschaft war der spezifisch afrikanische "Ujamaa"-Sozialismus ein beachtenswerter Weg, denn innerer Friede, Sicherheit vor Hunger und Seuchen, Verminderung des Analphabetentums, respektierte Rechte und menschenrechtliches Engagement zeichneten Tansania vor seinen Nachbarstaaten aus.
Ein gutes Zeugnis von dem Zustand der politischen Kultur war der 1985 friedlich vollzogene Regierungswechsel von Nyerere an Ali Hasan Mwinyi (* 1925).

Das Land
Zwar gehört Tansania zu den ärmsten Entwicklungsländern der Welt, doch leidet es nicht unter den inneren Spannungen und sozialen Problemen, von denen sowohl Geschichte wie unmittelbare Gegenwart seiner Nachbarländer in hohem Maße geprägt sind. So sind zum Beispiel die tribalistischen Risse durch die Gesellschaft in Tansania weniger ausgeprägt, denn unter seinen rund 120 verschiedenen Stämmen, die alle das Suaheli als gemeinsame Verkehrsund Amtssprache angenommen haben, hat sich kein dauerhaft dominierender Stamm herauskristallisiert.
Die Mehrheit der Stämme gehört zur Sprachengruppe der Bantu, zahlenmäßig am stärksten sind die Nyamwezi und Sukuma, Suaheli, Hebet und Bena, Haya und Makonde. Die einst gefürchteten Massai-Krieger gehören zur Völkergruppe der Niloten. |
Arabische und indische Volksgruppen sind vor allem an der Küste und auf Sansibar und Pemba anzutreffen. Zahlenmäßig gering, spielen sie doch in der Wirtschaft eine bedeutende Rolle. Ihre Vorfahren, orientalische Händler und asiatische Arbeitskräfte, haben ihr religiöses Erbe in den Jahrhunderten, in denen sie das Land prägten, hinterlassen. Immerhin ist der Islam mit 35 % stark vertreten; mehr Menschen (45 %) gehören nur den christlichen Religionen an. Aber auch die alten Naturreligionen der schwarzafrikanischen Binnenvölker haben ihren Platz in der toleranten multikonfessionellen Gesellschaft Tansanias.
Dem raschen Anwachsen der Bevölkerung tritt die Regierung seit Mitte der 1980er Jahre mit Familienplanungsprogrammen sowie mit einer besseren medizinischen Versorgung von Müttern und Kindern entgegen. Knapp drei Viertel der Bevölkerung lebt auf dem Land. Bis jetzt ist es der Regierung einigermaßen gelungen, die für alle Entwicklungsländer charakteristische Landflucht einzudämmen. Um die größeren Städte herum haben sich trotz ansteigender Einwohnerzahlen bis jetzt noch keine Elendsgürtel gebildet. Dies mag ein Erfolg des "Ujamaa"-Sozialismus sein, der der ländlichen Bevölkerung in den Zentren kooperativer Landwirtschaft menschenwürdige Lebensbedingungen schafft. Zwar sind die Verhältnisse auch dort einfach, aber es gibt Krankenstationen und ein gut ausgebautes Schulwesen, das die Analphabetenquote merklich senken konnte. |  |
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Wirtschaft
Der soziale Erfolg des "Ujamaa"-Sozialismus findet auf wirtschaftlicher Seite keine Entsprechung. Die Wirtschaftsstruktur des Landes ist seit der Unabhängigkeit im wesentlichen unverändert geblieben. Immer noch bildet die Landwirtschaft die Wirtschaftsgrundlage. Dies entspricht dem eingeschlagenen Weg der "self reliance", d. h. einer Politik, die sich auf die eigenen Kräfte und Ressourcen stützen will. Die Anbauflächen für die landwirtschaftlichen Exportprodukte verteilen sich über das ganze Land: In Teilen des Hochlands werden Kaffee-und Teesträucher angepflanzt, der Anbau von Cashew- und Kokosnüssen sowie Sisal konzentriert sich auf die Küstenregion, während Baumwoll- und Tabakplantagen im Westen vorherrschen. Auf Sansibar und Pemba werden überwiegend Gewürznelken geerntet.
Klimatisch bedingte Mißernten, Verfall der Weltmarktpreise für die Agrarprodukte, niedrige Exporterlöse, der starke Preisanstieg für Erdöl sowie der finanziell sehr aufwendige Krieg mit Uganda brachten das Land Anfang der 1980er Jahre in eine prekäre wirtschaftliche Lage. Neben diese äußeren Faktoren trat eine verfehlte Wirtschaftspolitik. Die mit hohen Investitionssummen betriebene Gründung von Industriebetrieben erwies sich angesichts mangelnder Ersatzteile und Rohstoffe als Planungsfehler, der durch unzureichendes Management noch verschärft wurde. Zudem konnte ohne Kaufkraft kein Absatzmarkt für die produzierten Waren entstehen, und die versäumten, dringend notwendigen Investitionen für den Ausbau der Infrastruktur führten zum Zusammenbruch des Transportwesens. Noch heute ist ein Großteil der Straßen während der Regenzeit nicht befahrbar, und die Hafenanlagen von Tanga und Dar es Salaam eignen sich eher für die altehrwürdigen Dhau-Segler als für moderne Containerschiffe.
Da die Bauern in den "Ujamaa-Dörfern", denen die festgesetzten Preise für ihre Produkte zu niedrig waren, es vorzogen, entweder zur Subsistenzwirtschaft zurückzukehren oder ihre Waren außer Landes zu schmuggeln beziehungsweise auf dem Schwarzmarkt feilzubieten, musste die Regierung Mitte der 1980er Jahre einen entschiedenen Kurswechsel in ihrer Wirtschaftspolitik einleiten. Die Liberalisierungsmaßnahmen der Regierung zielen auf eine Belebung der Privatwirtschaft und auf die Ansiedlung von ausländischen Investoren.
Ein Hauptproblem Tansanias, der chronische Devisenmangel, der auch durch die Förderung des Fremdenverkehrs nicht ausgeglichen werden konnte, wurde durch Kredite der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds vorübergehend gemildert. Damit hat sich ein zentrales Ziel des "Ujamaa"-Sozialismus - die Erlangung der ökonomischen Unabhängigkeit - allerdings nicht erfüllt.
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Serengeti-Nationalpark
Die ersten Europäer, die Serengeti besuchten, waren angesichts der riesigen Weite des wogenden Graslands - "ein Meer von Gras, Gras, Gras, Gras und Gras", wie einer von ihnen bemerkte - und der Ansammlung von Herden weidender Tiere beeindruckt. "Nie zuvor habe ich etwas ähnliches wie diesen Wildbestand gesehen," schrieb der Jäger S. White 1915.
Heute, wo es nur noch wenige Landstriche gibt, die vom Menschen unberührt sind, und wo die riesigen Herden wilder Tiere fast vom Erdboden verschwunden sind, bietet der Serengeti-Nationalpark immer noch das gleiche wunderbare Schauspiel.
Dank der Arbeit der Naturschützer wird er als einer der wichtigsten Nationalparks Afrikas bewahrt, und Touristen können sich immer noch vom Anblick der riesigen wildlebenden Herden begeistern lassen. |
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Die großen Wanderungen
Der Serengeti-Nationalpark beeindruckt nicht nur durch seine große Zahl wildlebender Tiere, sondern auch durch die enorme Vielfalt der Tierarten. Zu ihnen gehören Löwen und Elefanten, Stachelschweine und Schuppentiere, Kronenkraniche und Sattelstörche. Doch vor allem fasziniert die hier alljährlich stattfindende Massenwanderung der Herden, eines der beeindruckendsten Schauspiele von Tieren in freier Wildbahn.
In den inneren grasbedeckten Ebenen gibt es nicht ständig Wasser, und so kann sich der enorme Wildbestand nur während der feuchten Jahreszeit von November bis Mai dort aufhalten. Dann grasen hier über 1 Million Weißbartgnus, bis zu 100.000 Thomson-Gazellen und 100.000 Zebras. Sie finden reichlich Gras und Wasser an den Wasserstellen, Suhlen und Flüssen.
In der Trockenzeit von Juni bis Oktober verwandeln sich die Ebenen jedoch in ein ausgedörrtes Ödland. Im Mai oder Juni, wenn Wasser und Nahrung knapp werden, versammeln sich die Weißbartgnus, Zebras und Gazellen, um von der Savanne fortzuziehen. Die Wanderherde erstreckt sich über einige Kilometer, lässt den Boden erzittern und wirbelt riesige Staubwolken auf. Begleitet wird sie von verschiedenen Raubtieren, wie Löwen und Hyänen, die sich von den Nachzüglern ernähren. Vor ihr liegt eine dreitägige Wanderung nach Westen zum Victoriasee, dann geht es langsamer nach Norden. Viele tausend Tiere überschreiten die Grenze Kenias zum Massai-Mara-Wildreservat.
Während der Trockenzeit konzentriert sich der größte Teil des Wildbestands auf die nördliche Spitze des Serengeti-Nationalparks, und nur ein paar Tiere bleiben in den zentralen Ebenen, bis im Dezember schwere Regenfälle die Herden veranlassen, wieder nach Süden zu ziehen. Mit der Regenzeit erwachen die Ebenen wieder zu Leben, und neues Gras sprießt üppig hervor. Die Flüsse, die während der Trockenzeit keine Hindernisse darstellen, verwandeln sich nun in reißende Ströme. Doch der mächtige Wandertrieb zwingt die Tiere trotzdem, die Flüsse zu durchqueren. Viele Tiere ertrinken dabei und sind eine willkommene Beute für Krokodile und Aasfresser.
Die Rettung der Serengeti
Um den Erhalt dieses Wanderungsgebietes musste hart gekämpft werden. Der Schutz des Gebietes stand dabei an erster Stelle. 1940, als Serengeti zum Nationalpark erklärt wurde, schlossen seine Grenzen die Wanderrouten nicht vollständig ein. Im Park war die Jagd zwar verboten, sobald die wandernden Herden jedoch die Grenzen des Parks überschritten, stellte man ihnen heftig nach. Außerdem kollidierten die Bedürfnisse der wilden Tiere mit denen der vielen Farmer und ihren Viehherden, Mais- und Tabakfeldern. Jahrelang arbeiteten Naturschützer daran, den Park zu vergrößern, um das komplette Gebiet der Wanderungsbewegungen mit einschließen und die verschiedenen Savannen und Waldgebiete mit aufnehmen zu können.
Die weitverbreitete Wilderei ist seit der Gründung des Nationalparks ein großes Problem. Obwohl die Jagd in diesem Tierschutzgebiet verboten ist, lassen sich die Wilderer vom hohen finanziellen Erlös von Fleisch, Häuten und Luxusgütern wie Elfenbein und dem Hörn des Rhinozeros verleiten.

Aberglaube und Verfolgung
Hexen in Tansania
"Du bist eine Hexe"
Solch ein in Tansania gesprochener Satz ist gleichbedeutend mit einem Todesurteil. Hunderte Frauen, die als Hexe bezeichnet wurden, werden jedes Jahr gelyncht, weil sie deswegen angeklagt wurden, Krankheiten oder Erntenausfälle zu verursachen. Das pseudoreligiöse Motiv ist eine Entschuldigung, sich von alten und kranken Frauen zu befreien. Sogar Frauen, die zuviel Land besitzen, oder Frauen, die sich zu selbstbewusst zeigen, sind oft Opfer.
Die Opfer von solchen Morden haben hauptsächlich ähnliche Wunden: ein gebrochenes oder ein durchgeschnittenes Handgelenk - ein Zeichen für einen so genannten "Hexenmord". Der Hintergrund dafür: Die als "Hexen" beschuldigten Frauen sollen nicht fähig sein, um mit Hilfe magischer Mittel dem Mord in der letzten Minute zu entkommen.
Eine sehr hohe Anzahl sogenannter Hexenmorde geschieht nahe Shinyanga, einer abgelegenen Region nahe dem südlichen Teil des Victoria-Sees. Auch Rebecca (Photo) wurde eine Hexe genannt, aber sie war in der Lage zu entkommen. |
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Nach den Statistiken der tansanischen Polizei von 1999 wurden etwa 350 "Hexen" innerhalb von anderthalb Jahren im Land getötet. Allein in der Region von Shinyanga wurden innerhalb von zwei Jahren 168 Frauen getötet. Viele solcher Morde sind bei der Polizei nicht amtlich registriert - es könnte sein, daß die wirkliche Zahl viel höher ist.
Die Geschichte hinter solch einem Mord ist immer ähnlich: ein Kind, das in der näheren Umgebung der sogenannten Hexe lebte, starb; weil gebildete Doktoren zu teuer für die meisten Leute sind, konsultieren die Familien einen Heiler des Dorfs, der sagen soll, was den Tod des Kindes verursacht hat. |
Jene Heiler haben das Vertrauen der Leute. Und sehr oft identifizieren jene Heiler, die Doktoren und Wahrsager in einem sind, die Tante, Großtante oder die Großmutter des toten Kindes, die für seinen Tod verantwortlich ist. Der Heiler tritt in Kontakt mit den Mördern, die mit Rindern bezahlt werden. Vielerorts gibt es konspirative Banden, die für solche Bestellungen vorbereitet sind. Jene Mörder sind in den Dörfern bekannt, aber sie bleiben hauptsächlich deshalb frei, weil sie die Polizei mit den Rindern bestechen, die sie besitzen.
In vielen Fällen sind sogenannte "Hexen" in der Lage, einem Mord zu entkommen. Aber das Leben für jene Frauen endet meist auf der Straße in Armut.
Aus: Brigitte, 21/2000, S.115ff.
Siehe auch: Hexenverfolgung
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www.tagesschau.de, 1. Juni 2009:
»Jagd auf weiße Schwarze in Tansania
"Albinos werden für Zauberrituale getötet"
Albinos in Tansania bangen um ihr Leben. Denn ihre bleiche Haut und die roten Augen machen sie zu einem begehrten Objekt für Zauberrituale in Afrika. Von Banden werden sie aufgespürt und getötet. Für die Körperteile der Ermordeten werden horrende Summen bezahlt. [...] Mindestens 40 Albinos sind in den vergangenen zwölf Monaten in Tansania ermordet worden [...] 350.000 Euro werden angeblich für einen Albinokörper bezahlt. [...] Die Leute töten Albinos und nutzen die Körperteile für Zauberrituale, um reich zu werden [...] Mit einer beispiellosen Kampagne versucht Tansanias Regierung derzeit, die Albinos zu unterstützen. In einer landesweiten Volksbefragung wurden Tansanier kürzlich aufgefordert, Albino-Mörder zu denunzieren. Hunderte wurden festgenommen. [...]«
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